Ich und meine Angst - Mein Weg - Teil 2

meine Hoffnung war, wenn meine Tochter erst einmal geboren ist, dann hören meine Sorgen und Ängste wieder auf. 

Dann kann ich sie ansehen und sehen, dass es ihr gut geht. 

Die Hormone stellen sich um. 

Alles ist wieder beim Alten.

Pustekuchen. 

Leider kam es doch anders. 

Die Geburt verlief nicht so, wie ich sie mir in meinen Vorstellungen ausgemalt hatte. 

Meine Tochter wurde 4 Wochen zu früh geboren.

Die Geburt wurde eingeleitet und zog sich dennoch über viele Stunden. 

Ich war am Ende meiner Kräfte und kurz vor einem Notkaiserschnitt. 

Als sie dann schließlich das Licht der Welt erblickte, nahmen die Ärzte sie sofort zur Untersuchung mit in einen anderen Raum. 

Ich wusste nicht, was los war, was mit ihr nicht stimmt.

Ich konnte sie nicht sehen, nicht im Arm halten. 

Ich war wie in einem Traum. 

Um mich herum geschah so vieles und ich konnte nichts sagen, mich nicht äußern, nichts tun. Ich hatte keine Kraft mehr. 

Ich fühlte mich ausgeliefert.

Meine Tochter wurde anschließend auf die Kinder-Intensivstation gebracht und ich in mein Zimmer. 

Die Kinderkrankenschwestern und Ärzte versorgen sie medizinisch bestens und überwachten ihren Gesundheitszustand.

Und dennoch konnte ich nicht sehen, dass es ihr gut geht. 

Wie auch?

Ich glaubte damals nicht an das Gute. 

Ich glaubte nicht daran, dass alles so kommt wie es sein soll.

Ich hatte meinen Halt verloren in der Welt, zum Universum, zu Gott und zu meinem Mann. 

Ich fühlte mich schuldig, dass ich es nicht besser hinbekommen habe, dass ich nicht noch mehr Energiereserven mobilisiert habe. 

Ich war neidisch auf die Mütter, die in meinen Augen alles richtig gemacht haben. 

Die Ihr Kind bei sich hatten. 

Deren Kinder keine medizinische Versorgung brauchten. 

Ich fühlte mich nur noch schuldiger. 

Und um so schuldiger ich mich fühlte, um so größer wurde der Abstand zwischen mir und meiner Familie und meinen Freuden. 

Ich konnte nicht erkennen, was da ist. 

Ihre Hilfe, ihre Unterstützung, ihr Mitgefühl.

Nein, das konnte ich nicht wahrnehmen. 

Was allerdings bei mir auf fruchtbaren Boden fiel waren Aussagen wie: „Sie hätte sich für einen Kaiserschnitt entscheiden sollen.“ 

Und damit bestätigte mein Verstand meine Glaubenssätz: „Ich bin nicht gut genug“. „Ich habe die falsche Entscheidung getroffen.“ „Ich hätte es anders machen sollen.“

….

So, nachdem ein paar Taschentücher ins Land gingen, unterbreche ich hier wieder den Newsletter.

Fortsetzung folgt nächste Woche. 

Eines meiner lessons learned ist: wie mich mein Schuld- und Scham-Gefühl weg von meinen Liebsten und in die Angst trieb. 

Damals lief das einfach alles so ab. 

Heute, mit Abstand und viel mehr Klarheit, kann ich dies erkennen.