Die Work über meinen Vater
Die Work ist für mich wie eine Zwiebel. Schale für Schale pellt man ab um zur nächsten, tieferliegenden zu gelangen.
Und dabei schießen mir immer wieder Tränen in die Augen.
Glückstränen und heilsame Tränen.
Auf welcher Schalenebene ich mich gerade befinde, kann ich nicht so genau sagen. In jedem Fall auf einer sehr alten.
Ich bin gerade bei Themen aus meiner Kindheit, als ich 10 oder 11 Jahre alt war. Und es geht um meinen Vater.
So richtig viele Erinnerungen aus dieser Zeit sind für mich nicht greifbar. Er war oft unterwegs, kaum bei uns. Hat viel gearbeitet. Einen Hauptjob und 3 Nebenjobs und dazu half er hin und wieder meinem Onkel in der Landwirtschaft.
Früher war das alles normal für mich. Ich wuchs damit auf. Keiner hat das je hinterfragt. Die Arbeit war da und musste gemacht werden.
In dieser Zeit muss wohl auch mein Glaubenssatz entstanden sein. „Ich bin ihm nicht wichtig.“
Als ich diesen vor kurzem überprüfte, tauchten plötzlich für mich tiefgreifende Erkenntnisse auf. Mein Blickwinkel auf die Herausforderungen, die meine Eltern damals zu meistern hatten, stellten sich für mich in einem anderen Licht dar.
Ich war so tief bewegt, dass ich das Bedürfnis hatte, mit meiner Mama über diese Zeit zu sprechen.
Viele der damaligen Themen und welche Rahmenbedingungen existierten waren mir bekannt. Aber wie es sich anfühlt, das Leben zu leben, das meine Eltern lebten. Damals, das wurde mir erst in dem Moment klar.
Ich gewann eine so konträre Sichtweise auf meine Eltern. Auf deren Beziehung, auf die Beziehung zu uns Kindern. Es ging nicht um Schuld. Es war ein sehr wohlwollendes Gespräch. Ich wollte einfach mehr über ihr Leben erfahren und reinfühlen.
Heute sehe ich auch noch eine andere Seite von ihnen. Und der Gedanke, „Ich bin ihm nicht wichtig“ der war vermutlich noch nie wahr.
Für mich macht es so viel Sinn in sämtliche Ecken und Winkel unseres Lebens zu schauen und dort den Staub abzuwischen. Was für Schätze liegen dort verborgen, die unser Leben so viel leichter und glücklicher werden lassen.
Und nun?
Ich möchte dich ermutigen, egal wo du jetzt gerade mit deiner Work stehst, daran zu denken auch mal in die alten Zeiten zu schauen. Dort Staub zu wischen. Wer weiß, was für dich dort alles zu entdecken gibt.
